Wie sind Medaillen zu bewerten?

„Wie viel sind Medaillen wert? Lohnt sich der Verkauf von Medaillen überhaupt?“

Medaillen haben grundsätzlich keinen Sammlerwert, so wie es bei historischen Gold- oder Silbermünzen der Fall sein kann. Es sind auch trotz möglicher Edelmetallgehalte keine handelsfähigen Edelmetallstücke wie Währungsmünzen, die von Geldhäusern angenommen werden.  Je nach dem, welches Edelmetall für die Medaille verwendet wurde, ergibt sich daraus der Materialwert. Sie werden nach ihrem Edelmetallgehalt angekauft. Es gibt Ankäufer die Medaillen nicht annehmen. Die Analyse der Edelmetallwerte sollte mit spektrometrischen Methoden und nicht mit Probiersäuren ermittelt werden.

Medaillen sind keine Münzen!

Münzen sind offizielles Zahlungsmittel des jeweiligen Landes in dem sie geprägt sind und sind immer mit einem Nennwert (die Währung des jeweiligen Landes) geprägt. Sie werden ausschließlich von staatlicher (offizieller) Seite ausgegeben.

Medaillen sind kein offizielles Zahlungsmittel, sie weisen keinen Nennwert auf und dürfen auch von Vereinen, Privatpersonen und Unternehmen produziert werden, wenn diese sich an die Vorschriften der Herstellung halten. 

Ursprünglich kommt das Wort „Medaille“ aus dem Französischen, denn in Frankreich wurden in der Renaissance Medaillen als Kunstobjekte aus Metall gegossen. Das Wort „Medaille“ bedeutet „Kleine Münze“ und generiert sich aus dem Lateinischen „metallic“ was übersetzt „Metall“ bedeutet. Das Gussverfahren zur Herstellung von Medaillen wurde später durch das Prägeverfahren ersetzt. Es gibt daher sowohl „Positivprägungen“ als auch „Negativprägungen“ von Medaillen. Grundsätzlich sind beide Seiten einer Medaille bildhaft oder typografisch dargestellt. Eine Medaille ist zur Erinnerung an besondere Anlässe oder als Gedenkprägung für eine besondere Gelegenheit gedacht. Sie kann eine Person oder eine besondere Zeit ehren und wird dann als Auszeichnung in limitierter Auflage geprägt. 

Bekannte Medaillen

Bekannte Beispiele für Medaillen sind die Olympiamedaillen, die eine sportliche Leistung auszeichnen und zeitgleich aus sehr wertvollem Material (Gold) sind. Andere bekannte Beispiele kommen aus der Wissenschaft, wie z. B. Die Max-Planck-Medaille oder die Otto-Hahn Medaille. Auch in Punkto Kultur und Militärische Dienste gibt es zahlreiche Medaillen, die bestimmte Leistungen von Einzelpersonen oder Gruppen mit einer speziellen Abbildung, Datum oder Text ehren. Sogar in der Religion gibt es Medaillen, z. B. die Wallfahrtsmedaille oder eine Pilgermedaille, wenn man eine bestimmte Strecke zurück gelegt hat. 

Bankportugalöser zu 100 M Hamburg, Neuweihung von St. Nikolai 24. September 1863
Bankportugalöser zu 100 M Hamburg, Neuweihung von St. Nikolai 24. September 1863

Diese Goldmedaille „Bankportugalöser“ aus Dukatengold wurde nach 1871 als Gedenk an die Neuweihung nach dem Großen Brand 1842 in Hamburg herausgegeben und dann, lt. der Original-Schachtel, dem Bauschreiber der Hamburger Bau-Deputation am 01. August 1898 für sein Dienstjubiläum verliehen.

Materialbeschaffenheit von Medaillen

Das Material zur Herstellung von Medaillen kann sehr unterschiedlich sein, da es hierfür keine exakte Vorschrift gibt. Sie kann sehr wertvoll sein, wie z. B.Gold, Silber oder Platin. Sie kann aus einem Metallgemisch wie z. B. Gold, Silber und Kupfer oder Silber, Kupfer und Nickel. Sie kann auch aus einem bereits vorhandenen Material, wie z. B. Dem Kupferblech eines Kirchturmes oder einem Metallstück eines alten Flugzeuges hergestellt werden um ein diesbezügliches Ereignis zu würdigen. Der 100 jährige Geburtstag einer Kirche oder zu Gedenken an verunglückte Menschen eines gesunkenen Schiffes.

Ausnahmen bestätigen die Regel!

Natürlich gibt es auch bei Medaillen Ausnahmen, denn es gibt bekannte Anlagemünzen (Link) wie z. B. Den Krügerrand aus Südafrika oder den „Libertad“ aus Mexiko, die genau wie eine Medaille keinen Nennwert besitzen, aber trotzdem keine Medaillen sind sondern eben Anlagemünzen. Hier generiert sich der Wert der Münzen über das Material aus dem sie bestehen und dem aktuellen Edelmetallkurs desselbigen. Diese Wertevermittlung macht es möglich, dass diese Münzen auch ohne Nennwert keine Medaillen sind sondern als offizielles Zahlungsmittel des jeweiligen Landes gelten.

Südafrika 1 oz Krügerrand
Südafrika 1 oz Krügerrand

Der Krügerrand und die Libertad sind daher Münzen, die sowohl das Kriterium einer Medaille als auch einer Anlagemünze erfüllen.

Weitere bekannte Ausnahme ist der „Locumtenenstaler“. Das ist ein Guldengroschen (Taler / Thaler) der als Medaille mit höherem Relief hergestellt wurden, aber auch einen Nennwert besitzt, nämlich das „Talergewicht“ Diese Taler wurden seinerzeit von wohlhabenden Menschen mit Einfluss an Bedürftige verschenkt. 

Eine weitere Ausnahme ist das als Notgeld geprägte „1 Billion Mark Stück“ was im Jahr 1923 von der Landesbank der Provinz Westfalen als „staatliche Notmünze“ geprägt wurde um es ein Jahr später, Ende der Inflation 1924, als Erinnerung an diese tragische und schwere Zeit auszugeben. Trotz dem bisher höchsten Nennwert, den eine deutsche Münze je hatte, war es keine Münze, sondern eine Medaille.

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